Seelentiertherapie - was ist das denn?
Es war Mitte 2011. Ich war gerade dabei, auf mein Diplom zu lernen, und ging zusammen mit Eike, meinem Lernpartner, den Stoff durch. Es ging um die Kriterien, die eine Therapieform mitbringen muss, um vom wissenschaftlichen Beirat für Psychotherapie anerkannt zu werden. Ich machte mich ein wenig darüber lustig, und sagte Eike, das wäre nicht wirklich schwer. Er widersprach. Eine Therapieform müsse eine Theorie zur Störungsentstehung (Warum leiden Menschen), Behandlungspläne (Wie heilt man das?) und mindestens zwei (heutzutage drei) Studien zur Wirksamkeit vorweisen (Hilft das wirklich). Ich konterte, ohne darüber nachzudenken: "Seelentiertherapie nach Wolf. Jeder Mensch hat ein Seelentier. Weichen Verhalten, Denken oder Fühlen von den diesem Seelentier zugeordneten Eigenschaften ab, entsteht Spannung, die sich als Störung äußert. Wir heilen die Menschen, indem wir sie wieder mit ihrem Seelentier in Einklang bringen. Wirkung erzielen wir durch Kombination möglichst vieler unspezifischer Wirkmechanismen. Meditation, Muskelentspannung, Spaziergänge, Zoobesuche, Selbstreflektion und Verhaltensmodifikation."Es folgte Stille. Dann meinte Eike nachdenklich: "Wenn du die erste Studie lieferst, melde ich mich freiwillig, die zweite zu machen". Wir lachten. Das Konzept könnte sogar funktionieren. Aber wir nahmen das natürlich nicht ernst. Viele Jahre gingen ins Land. Wir wurden beide große, erwachsene Psychologen. Ich erzählte vielen Kollegen und Kolleginnen im Spaß von der Idee, und neben Erheiterung erntete ich immer öfter ein "Das könnte wirklich funktionieren". Oder ein "ich hasse, dass du Recht haben könntest". Aber es gab auch diverse Ermutigungen. Probier das doch. Forsch' doch dazu.
Und warum nicht? Spannend ist Forschung schließlich immer. Ich machte ein erste Studie, und stellte fest: Moment. Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit von Menschen und dem gewählten Seelentier. Schlimmer noch: es gibt einen Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und dem gewählten Seelentier. Ich saß ein bisschen baff vor den Daten. Die Studie sollte ein Scherz werden. Ein Insider. Von wegen "erinnerst du dich noch, Eike, damals. Schau mal, ich hab's untersucht". Aber hier schien wirklich etwas vorzuliegen. Es war mir klar: hier war viel mehr Forschung nötig, um dieses Konzept entweder zu widerlegen oder als echte Therapieform zu etablieren.
Und so ist schließlich diese Homepage entstanden, damit ich die Idee ausformulieren, präzisieren, und die Forschungsergebnisse präsentieren kann. Vielleicht wird im Laufe des Prozesses klar: Das taugt nichts. Dann ist die Idee trotzdem unterhaltsam, und Wissen wurde generiert. Auch "das funktioniert nicht" ist eine wichtige Erkenntnis. Vielleicht stellt sich heraus, dass diese Therapieform tatsächlich wirken kann. In dem Fall freue ich mich heute schon auf meine zweite Studie, Eike.
-Andreas Wolf